?

Log in

No account? Create an account
... Was wir sind, das werdet ihr [entries|friends|calendar]
Knochenklang

[ userinfo | livejournal userinfo ]
[ calendar | livejournal calendar ]

Gestalt [16 Mar 2007|03:07pm]
[ mood | bored ]

"Wir haben das Gräßliche oft mit unseren Augen gesehen. Die unerwartete Verwandlung. Ein heiler Leib wird unter einem Gefährt zermalmt. Das Blut, das vorher im verborgenen die feinen Schwemmstoffe, die chemisch geladenen Harmonien des Aufbaus und der geheimnisvollen Arbeit verzweigte, im Geflecht der dünnen Bahnen pulste, und so, fast spirituell, als roter, in den Menschen eingewachsener Baum, seine Gestalt abtastete - das Blut gerinnt formlos in breiten Lachen. Und niemand begreift noch, daß es im Gerank der Adern eine Form hatte. Aber gräßlicher: der Todeskampf selbst. An dem sich die Vielheit der Organe, die wir zu spüren glauben, beteiligt. So ist das Erschrecken in uns bereiter als das Verlangen nach Genuß".

- Das Holzschiff, Hans Henny Jahnn

post comment

Verstimmte Saiten [18 Aug 2005|11:20pm]
[ mood | sleepy ]

"Erika ist ein Insekt in Bernstein, zeitlos, alterslos. Erika hat keine Geschichte und macht keine Geschichten. Die Fähigkeit zum Krabbeln und Kriechen hat dieses Insekt längst verloren. Eingebacken ist Erika in die Backform der Unendlichkeit. Diese Unendlichkeit teilt sie freudig mit ihren geliebten Tonkünstlern, doch an Beliebtheit kann sie es mit jenen beileibe nicht aufnehmen".

- Elfriede Jelinek, Die Klavierspielerin

post comment

De Profundis [04 Mar 2005|10:47am]
[ mood | rushed ]

Auf meine Stirne tritt kaltes Metall.
Spinnen suchen mein Herz.
Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.
- Georg Trakl, aus De Profundis

Ohne 'was Besseres zu lesen, lerne ich mich mit den Gedichten Trakls wieder kennen. Vor fünf Jahren habe ich die sechs Herbstlieder von Mark DeVoto gehört, womit eine Sängerin sechs Gedichte Trakls als Texte sang. Im Moment erinnere ich mich nicht daran, welche Gedichte sie gesungen hat, aber das war das erste Mal, das ich Trakl gelesen hatte. Die Sammlung De Profundis (De Profundis, Menschheit, Drei Blicke in einen Opal) gefällt mir besonders.

Schon immer habe ich Verständnis gesucht und studierte eine Sprache, die meine Freunde und Familie nicht verstehen können.

2 comments|post comment

Die Nacht aus Blei-ku [01 Feb 2005|02:35pm]
[ mood | albern ]

Im Alptraum hab' ich
'nen Halbstarken begegnet
der ich einmal war.

ETA: Scheißgrammatik!

Im Alptraum bin ich
'nem Halbstarken begegnet
der ich einmal war.

post comment

Zitat du Jour [21 Jan 2005|01:20pm]
[ mood | müde ]

"Möchten Sie mich verhaften, weil ich die Krankenschwester erdrosselt oder weil ich die Atombombe ermöglicht habe?"

- Friedrich Dürrenmatt, Die Physiker

Vor sieben Jahren hat Inge mir Die Physiker geschenkt. Eigentlich gehörte das Buch ihrer Mutter, die ihrer kroatischer Name darin geschrieben hatte: Anita Anušić. Offensichtlich wußte sie auch nicht was "schizophren" bedeutete und hatte "Bewußtseinsspaltung" darüber geschrieben. Sie fehlt mir. Also gestern habe ich den Zorn zu Ende gelesen und fing heute mit Dürrenmatt an. Früher versuchte ich diese Komödie zu lesen, entmutigt, als ich die weitschweifige Beschreibung des Schauplatzes des ersten Akts gelesen hatte. Zum Glück ist das Buch viel einfacher als ich dachte.

Später besuche ich dalinaama, die ein leckeres Abendessen kochen wird. Es ist lange her, als ich sie zum letzen Mal gesehen habe. Ich freue mich sehr auf unsere Reise nach Europa.

1 comment|post comment

Im Wesen nichts Neues [18 Jan 2005|09:52am]
[ mood | kalt ]

"[M]eine Individualität besteht aus dem Leid, das ich empfinde".

- Fritz Zorn

Geistig verwandt sind wir. Der gute Zorn beschreibt mich. Obwohl er reicher und offensichtlich klüger war, kommt es mir vor als ob ich mir auf jeder Seite begegne: die Neurose, seine Beziehung zur Krankheit und verkrüppelter Sexualität, seine mangelhafte Erziehung, der Haß, die Verzweiflung, die verdammte Hoffnung. Seit ich Werther las, hatte mich nichts so persönlich berührt. Als student wußte ich nicht, daß man nicht mit Werther identifizieren soll. Wie Dutzende von jungen Männern die Selbstmord im 18. Jahrhundert begingen, schien mir Goethes romantische Hauptfigur 'was Edles statt 'was Charakterloses und Tadelnswertes zu sein. Das war die Absicht und die Lehre, ne? So wie ich, weiß Werther nicht weiterzugehen. Vielleicht weiß ich's immer noch nicht. Nach meiner Meinung, braucht die Welt Menschen wie wir als Beispiele sich nicht daran zu nehmen.

Langsam lerne ich Tschechisch, das genau so schwer wie Russisch ist, vielleicht schwerer. Mindestens scheint mir Tschechisch "weicher" als Russisch zu sein. Drei Tage später kann ich einfache Sätze.

1 comment|post comment

navigation
[ viewing | most recent entries ]